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Neulich im Kummerkasten
Datum: 01.03.2026, Kategorien: Schamsituation Deine Geschichten
... Snack. Ich nickte. „Kostet was“, grinste er. Seine Freunde kicherten. Ich wusste, was er meinte. Es war mir egal. Alles war mir egal. Ich griff mir seine Wodkaflasche, schraubte sie auf und nahm einen großen Schluck, „Für die ganze Tüte?“, fragte ich mit heiserer Stimme. Sein Grinsen wurde breiter. „Für die ganze Tüte.“ „Hier?“, fragte einer seiner Kumpels und deutete auf den dunklen, Seitenstreifen hinter den Tankstellen-Säulen. „Warum nicht?“ Ohne ein Wort ging ich voran, in den schmutzigen Schatten. Der Asphalt war kalt und feucht unter meinen Knien, als ich mich vor dem ersten hinkniete. Es ging schnell, roh, ohne Zärtlichkeit. Einer nach dem anderen. Sie feuerten sich gegenseitig an, lachten, stießen mich grob hin und her. Ich konzentrierte mich nur auf das Knistern der Plastiktüte in meiner fest umklammerten Hand. Auf die bunten Farben. Irgendwann drückte mir jemand die geöffnete Tüte ins Gesicht. „Hier, friss dich satt, du Schlampe.“ Ich stopfte mir eine Handvoll in den Mund, kaute auf dem klebrigen Zucker, während ein anderer von hinten in mich eindrang. Der süße Geschmack vermischte sich mit dem von Schmutz und Sperma in meinem Mund. Ich fühlte nichts. Absolut nichts. Es war die endgültige Befreiung. Ich erwachte bei Tageslicht. Ich lag auf einer schmuddeligen, feuchten Decke in einer zugigen Hauseinfahrt, mehrere Straßen von der Tankstelle entfernt. Ich war nackt bis auf meine zerrissenen Strümpfe. Meine Kleidung war weg. Das Geld war längst weg. Neben mir ...
... stand die leere, zerknüllte Gummibärchen-Tüte. Mein ganzer Körper schmerzte, ein tiefer, diffuser Schmerz, der von innen kam. In der Ecke der Einfahrt lungerten zwei Obdachlose, teilten sich eine Flasche und beobachteten mich mit gleichgültigen, trüben Augen. In diesem Moment, mit dem Gestank von Müll, Urin und meinem eigenen verwüsteten Körper in der Nase, verflog meine Betäubung. Es war nicht mehr das glückliche Gefühl des Kontrollverlusts. Es war blankes Entsetzen. Eine eiskalte, klare Erkenntnis, die mich bis ins Mark traf: Ich Ich war in einer einzigen Nacht zu einer billigen Hure geworden. Nicht gezwungen, nicht verführt – ich hatte mich verkauft. Stück für Stück, doch alles verloren. Und am Ende hatte ich nicht einmal mehr die Gummibärchen behalten können. Ich schleppte mich nach Hause, eine nackte, zitternde Gestalt in der kalten Morgendämmerung. Ich wusch mich stundenlang, schrubbte meine Haut, bis sie rot und wund war, aber das Gefühl der Unsauberkeit, der tiefsitzende Schmutz, ging nicht weg. Er war in mir. Am Montag, getrieben von einer letzten, verzweifelten Hoffnung auf irgendeine Form von Wiedergutmachung oder auch nur Erklärung, rief ich Harald an. Meine Stimme war ein dünner Faden. „Meine Unterwäsche… ich habe da etwas liegen lassen. Und vielleicht ist ja noch etwas Geld…“ Er lachte kurz, ein trockenes, geschäftsmäßiges Geräusch. „Was weg ist, ist weg, Kleine. Aber hör mal.“ Seine Stimme wurde vertraulich, fast väterlich. „Du hast Talent. Echtes ...