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HomoLepus 12
Datum: 13.11.2018, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... konnte es lesen. Gut, es stand nur „Hallo" darauf, aber mehr hätte auch nicht Platz gehabt. Ich winkte noch einmal zur Bestätigung und fragte mich, ob ich nicht auch einen Block und Stift hatte. Der Block wäre kein Problem gewesen, aber einen Stift in der Dicke hatte ich nicht. Also blieb mir nur übrig, mit Gesten zu antworten. Wieder schrieb wie etwas, was dann aber auf mehrere Seiten ging. Zusammengesetzt kam dabei, „Hast du Internet" heraus. Ich nickte einmal sehr deutlich in ihre Richtung. Schon war sie wieder am Schreiben und die nächsten Worte waren dann ihre Mail Adresse. Das fand ich sehr interessant. So konnte ich mich mit ihr unterhalten, wusste, wer sie war, aber weder ich noch sie mussten unsere Wohnung verlassen. Also zog ich den Küchentisch vor das Fenster, stellte demonstrativ den Laptop darauf und klappte ihn auf. Dann sah ich hinüber und die Frau auf der anderen Seite, schob einen Sessel vor das Fenster und setzte sich hinein. Dann legte sie ihren Laptop auf die Beine und öffnete auch diesen. Sogleich schrieb ich meine erste, kurze Mail an sie und erwartete die Antwort. Dabei probierte ich erst einmal aus, ob es überhaupt funktionierte. Vielleicht hatte ich die Adresse ja nicht richtig mitbekommen. Aber schon wenige Sekunden später kam die Mail zurück und wir begannen einen regen Austausch. Sie hieß Tanja und war fünfundzwanzig Jahre jung. Aber das war nur nebensächlich. Wir begannen uns über Gott und die Welt zu unterhalten, wobei ich ihre Art ...
... der Spionage ausließ und sie sich damit zurückhielt, mich zu fragen, warum ich ein Hase war. Sicher brannten uns beiden gerade diese Fragen unter den Fingernägeln, aber wir wollten uns anscheinend erst einmal besser kennenlernen, bevor wir so persönlich wurden. Den ganzen Vormittag und frühen Nachmittag schrieben wir einen Satz nach dem anderen, erfreuten uns an dem Gedankenaustausch. Es war wie eine Unterhaltung und die hatte ich in der letzten Zeit wirklich vermisst. So konnte ich kommunizieren, ohne sprechen zu müssen und das taten wir dann auch so lange, bis sie weg musste. Einkaufen und andere Erledigungen machen. Dinge, die sie wegen mir lange aufgeschoben hatte. Ich wünschte ihr gutes Gelingen und verabredete mich für den nächsten Tag auf gleicher Welle mit ihr. Dann verschwand sie und ich machte mir schon einmal Gedanken darüber, worüber wir das nächste Mal schreiben konnten. Es gab so viel was mir auf der Zunge lag und mir juckten geradezu die Finger, es los zu werden. Ich war mir außerdem sicher, dass es noch sehr interessant werden würde. Zumindest bedeutete es für mich weniger Langeweile zu haben und ich freute mich schon jetzt auf das nächste Mal. Unsere Mailfreundschaft vertiefte sich über die nächsten Tage und ich erfuhr sehr viel über Tanjas Welt, wusste mit der Zeit, wie sie tickte. Zugleich war ich mir sicher, dass sie ein Mensch war, mit dem diese Art der Kommunikation funktionierte. Sie hörte nicht damit auf, als man die Fragen nach dem Alter und ...