1. HomoLepus 12


    Datum: 13.11.2018, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... kein Studium, keine Frau. Nicht einmal bei Sandra war ich an einen direkten Zeitplan gebunden. Die fast einzige Zeit war der Punkt, wann ich abgeholt wurde. Ansonsten war ich ein vollkommen zeitloser Mensch. Das Einzige was mich wirklich störte waren die sich immer wieder wiederholenden Fernsehsendungen. Talkshows gaben sich per Thema die Klinke in die Hand und ich mochte schon nicht mehr hören, wenn es um Partnerschaftsprobleme ging. Dabei war mir dann vollkommen egal ob zwischen zwei Geschlechtern oder einem. Das spielte keine Rolle. Einmal davon abgesehen, dass sowieso alles Fake war, hatten alle im Prinzip die gleichen Probleme. Auch andere Themen waren dann so oft vertreten, dass es nicht mehr zum Aushalten war.
    
    Inzwischen begann ich mich für Sportarten zu interessieren, die normalerweise nicht auf meinem Zettel standen. Ich sah mir tatsächlich Curling oder Sumo an, zwei Sportarten, die ich zuvor nicht einmal wahrgenommen hatte. Inzwischen hätte ich mitreden können.
    
    Und warum sah ich so etwas an? Weil es neu für mich war und keine Wiederholung.
    
    Da hatte man schon zig Programme und was war los? Wiederholungen von einem Sender zum anderen. Die Formel war wahrscheinlich ganz einfach. Wenn eine Sendung von durchschnittlich zehn Prozent der Fernsehzuschauer gesehen worden war, dann waren da noch neunzig Prozent übrig. Also musste der Sender diese Sendung mindestens noch neun Mal zeigen, damit es nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung auch jeder Fernsehzuschauer ...
    ... mindestens einmal gesehen hatte. Damit man sich natürlich auch sicher war, auch den letzten Verweigerer noch überzeugen zu können, schob man mindestens die gleiche Anzahl der Wiederholungen noch einmal hinterher.
    
    Bei anderen Filmen hatte ich sogar noch eine andere Theorie. Es gab Filme, für die die Sender Geld bekamen, wenn sie diese zeigten. Anders konnte ich es mir nicht mehr erklären. Ich meinte jene Filme, die man inzwischen mitsprechen konnte, ohne es zu wollen. Oder anders gesagt, inzwischen hätte man die Rollen in dem Werk selber spielen könnten und das wäre den Produzenten sicher um einiges preisgünstiger gekommen.
    
    Was war ich daher im Moment glücklich darüber, das Anna mir die Konsole geschenkt hatte. So lief auf dem Bildschirm nur das, was ich wollte. Außerdem hatte ich ja noch meine heimliche Beobachterin, die gar nicht so heimlich war. Als ich heute Morgen mit meiner Tasse Kaffee am Fenster stand, sah ich hinüber und entdeckte sie, wie sie dasselbe tat. Wie fast immer trug sie ihren Handtuchturban und Bademantel. Erstaunlich war nur die Tatsache, dass sie noch da war, denn normalerweise war sie um diese Zeit nicht mehr in der Wohnung. Wie aus Gewohnheit winkte ich hinüber und sie antwortete mit derselben Armbewegung. Dann drehte sie sich um und verschwand aber nur für einen Moment. Dann stand sie wieder am Fenster und hatte eine Art Block in der Hand. Dann nahm sie einen dicken Filzstift und schrieb etwas auf die erste Seite. Dann hob sie den Block hoch und ich ...
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