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HomoLepus 12
Datum: 13.11.2018, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... worden. Ich war noch nicht ganz unten angekommen, als ich Sandra hörte, die mit irgendwem sprach. Ich blieb stehen und lauschte ein wenig, obwohl ich kaum etwas verstand und nur Sandra hörte, deren Stimme recht giftig klang. Sie sagte etwas von „Hacker" und „Passwort" dazu noch etwas von „Lücke schließen" und „Verluste". Ich konnte mir keinen Reim darauf machen, blieb aber trotzdem noch einem Moment da, wo ich war, denn ich wollte nicht den Anschein erwecken, dass ich etwas davon mit bekommen hätte. Also wartete ich noch, fünf Minuten nachdem Sandras Stimme nicht mehr zu hören war, und ging erst dann herunter. Sandra saß am Tisch und aß langsam etwas von den aufgetischten Köstlichkeiten. Mit wem sie gesprochen hatte, ließ sich aber nicht ergründen. Entweder war derjenige schon wieder weg ohne, dass es von mir gehört worden wäre, oder sie hatte telefoniert. Dabei fiel mir jetzt erst auf, dass es im mir bekannten Teil des Hauses gar kein Telefon gab. Zumindest hatte ich keins gesehen, und da ich keins benutzte, vermisste ich auch keins. Auch jetzt sah ich keins, aber vielleicht hatte sie auch ein Handy benutzt. Allerdings glaubte ich nicht daran, denn dafür waren wir zu weit auf dem Lande und nur ein Satellitentelefon hätte dort Abhilfe geschafft. Doch wer benutzte schon so ein teures Ding? Aber egal. Wie es auch immer gewesen war, ich konnte nicht wirklich etwas mit den Gesprächsfetzen anfangen, die ich aufgeschnappt hatte, ob über Telefon oder persönlich überbracht. ...
... Das spielte keine Rolle. Am Tisch angekommen, setzte ich mich Sandra gegenüber und sah sie nur an, dabei stützte ich meinen Kopf auf die Hände und wusste genau, wie das aussah. Es hatte ein tröstendes Aussehen, fast wie ein Hund, der einen von unten herauf ansah oder den Kopf schräg legte. Ich kannte es genau, denn ich hatte es schon öfters vor einem Spiegel gemacht. Daher kannte ich auch die Wirkung, die dann auch tatsächlich bei Sandra ankam. Sie sah auf, als sie merkte, dass ich nichts zu essen nahm, und sah mich mit leicht verkniffener Mine an. Diese hellte sich allerdings auf, als sie mich ansah. Ein feines Lächeln verzog ihre streng zusammengekniffenen Lippen in einen Bogen, der sie freundlicher aussehen ließ. Sie ließ Messer und Gabel sinken, legte sie ab und stützte ihren Kopf ebenfalls auf die Hände ab. So saßen wir einen Moment vollkommen regungslos da und sahen uns nur gegenseitig an. Dann atmete sie einmal tief durch, als wenn ihr gerade ein Stein von der Leber gefallen wäre, und aß weiter. Jetzt fühlte ich mich selber besser, denn ich hatte Sandra zum Lächeln gebracht. Dann überlegte ich mir, wie ich ihr noch eine Freude machen konnte. Ich stand auf, ging um den Tisch herum und stellte mich direkt hinter sie. Sie beobachtete mich dabei, drehte sich aber nicht zu mir nach hinten um. Das brauchte sie auch nicht, um mitzubekommen, was ich vorhatte. Ich legte meine Hände auf ihre Schulter und begann sie gefühlvoll zu massieren, was sie mit einem wohlwollenden ...