1. Der Maedchenhaendler


    Datum: 15.12.2017, Kategorien: Betagt,

    ... denen er noch nicht einmal gehört hatte. Und dabei besuchte auch er Fortbildungen!
    
    Ganz unten auf dem Blatt hatte sie mit ihrem vollen Namen unterschrieben: Lola Maria Anne Ahlers. Wolfgang mußte grinsen, dann reichte er ihr das Papier zurück.
    
    "Sehr nett, sehr informativ. Nur: mit Ihren Initialen wäre ich etwas vorsichtig ... ."
    
    Lola lächelte ihn mit einem Blick an, der Steine erweichen konnte.
    
    "Sie dürfen das Blatt gerne behalten. Ich habe es extra für Sie kopiert."
    
    "Extra für mich? Ja, woher wußten Sie denn, das Sie mir zugeteilt werden?"
    
    "Weil ich diesen Wunsch geäußert habe!", lächelte Lola.
    
    Wolfgang schaute verständnislos und Lola fuhr fort:
    
    "Ihnen eilt der Ruf voraus, ein brillanter Ermittler zu sein. Und das haben Sie doch wohl gerade unter Beweis gestellt, oder?"
    
    Wolfgang fühlte sich geschmeichelt ... und ein wenig vorgeführt ... .
    
    "Schön. Wann können Sie denn anfangen?"
    
    Lola zog ihre Augenbraue ein wenig hoch, dann sagte sie: "Nun, ich dachte, wir fangen sofort an, oder ...?"
    
    Kapitel 2
    
    Seit seine Frau von ihm gegangen war, gab es für Wolfgang nur zwei Dinge im Leben, die ihm wichtig waren: Der Job ... und der Job. Und so ging er mit Lola ohne Unterbrechung die Unterlagen seines neuesten Falles durch. Er hatte einen Mädchenhändler im Visier, dem er aber partout nichts nachweisen konnte. Nach Außen betrieb der Serbe, so nannte man ihn inzwischen nur noch, einen äußerst gut gehenden Nachtclub. Aber es gab konkrete Hinweise, daß er ...
    ... hinter einer Bande von Schleppern steckte, die ahnungslose Frauen nach Deutschland brachte und hier zur Prostitution zwang. Nur: Wissen ist eine Sache, Beweisen eine ganz andere.
    
    Da Wolfgang quasi zum Urgestein des Dezernates gehörte und seine Aufklärungsquote phänomenal war, besaß er einen gewissen Sonderstatus. Dazu gehörte unter anderem auch, daß er kam und ging wann es ihm paßte. Nicht selten setzte er sich an seinen Schreibtisch, wenn seine Kollegen nach Hause gingen und oft saß er immer noch dort, wenn diese am anderen Morgen wieder zur Tür herein kamen.
    
    "Was ist?", fragte Wolfgang, als er sah, daß Lola immer öfters auf ihre Uhr schaute. "Ich dachte, Sie haben sich über mich erkundigt? Dann müßten Sie doch wissen, daß ich es mit den regulären Zeiten nicht so habe."
    
    "Ja schon", entgegnete Lola schüchtern.
    
    "Es ist nur so, daß ich neu in der Stadt bin. Noch keine Wohnung habe und mir erst ein Zimmer suchen muß."
    
    "Oh!", sagte Wolfgang und rieb sich nachdenklich am Kinn. Mit Blick auf die Uhr, deren Zeiger Mitternacht längst überschritten hatten, fragte er Lola: "Keine Familie, keinen Freund, keine Freundin?"
    
    "Familie natürlich schon, aber nicht hier", entgegnete Lola.
    
    "Merde", sagte Wolfgang und dann: "Also ich wüßte da eine Notlösung ... aber die wird Ihnen sicherlich nicht zusagen ... ."
    
    "Nur heraus damit", lächelte Lola ihn an.
    
    "Ich hätte da noch ein Gästezimmer frei. Na eigentlich ist es das Zimmer meines Sohnes, aber der ist inzwischen schon ...
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