1. HomoLepus 08


    Datum: 21.10.2018, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... wiederum gab mir zu denken, denn ich hatte immer gedacht, dass gerade mein Äußeres die Menschen interessierte. Offensichtlich dachten nicht alle so.
    
    Irgendwann stand Anna dann auf und ging aus der Küche hinaus. Ich sah ihr dabei hinterher und erfreute mich noch einmal an ihrem festen, kleinen Apfelpo. Dann verschwand sie aus meinem Blickfeld. Ich genehmigte mir noch eine Flasche Karottensaft, steckte einen Strohhalm hinein und verließ ebenfalls den Raum, um in die Stube zu gehen. Hier setzte ich mich auf mein heiß geliebtes Sofa.
    
    Obwohl es gerade einmal Mittag war, stellte ich den Fernseher an und sah mir die Nachrichten an. Dabei kam mir erst richtig in den Sinn, dass am nächsten Wochenende Ostern war und ein witziger Gedanke stahl sich in mein Gehirn. Immerhin würde es ein Wochenende sein, an dem draußen sicher Hasen recht gerne gesehen wurden. Also beschloss ich, mich draußen sehen zu lassen. Zumindest in einer Ecke, wo ich noch nicht gewesen war. Vielleicht kam Anna ja mit.
    
    Doch noch war es nicht soweit. Eine Woche stand mir noch bevor oder besser gesagt bis Ostersonntag. Aber auch das würde ich noch überbrücken, auch wenn ich mich jetzt schon darauf freute.
    
    Die Tage wurden relativ ruhig und vielleicht sogar etwas langweilig. Immerhin kamen Anna und ich in einen Trott, aus dem wir nur schwer herauskamen. Es war sozusagen immer das Gleiche. Anna ging morgens in die Uni und kam gegen frühen Nachmittag wieder. Nachdem wir etwas gegessen hatten, lernten wir ...
    ... zusammen. Später fuhr Anna dann ihre Pizzen aus oder wir saßen noch eine Zeit lang vor dem Fernseher. Also wirklich keine spannenden Tage. Aber auf der anderen Seite auch nicht schlecht. Diese Art von Ruhe entsprach eher meinem naturell. So lernte ich selbst die ab und zu aufkeimende Langeweile zu kultivierten. Es war eben keine Langeweile, sondern nur die Zeit zwischen zwei Ereignissen. Aus der Sicht betrachtet, ließ es sich wesentlich besser aushalten.
    
    Dann kam endlich der Tag, auf den ich die ganze Zeit gewartet hatte. Ostersonntag. Anna hatte zum Glück frei und so willigte sie dabei ein, zusammen mit mir irgendwo hinzufahren. Wohin hatte ich dabei Anna überlassen. Sie hatte Bahnkarten besorgt und ich ließ mich überraschen, wohin es ging.
    
    Schon früh am Morgen war ich wach und hatte mich fertiggemacht. Früher jedenfalls als Anna es für nötig hielt, das Bett zu verlassen. Also weckte ich sie in meiner übermäßigen Freude und erntete dafür ein tippen an die Stirn. Gut, sie hätte es auch netter ausdrücken können, aber es war wohl wirklich etwas übertrieben, denn es war noch dunkel draußen.
    
    Aber ich ließ mir meine gute Laune nicht verderben. Wenige Minuten später kochte der Kaffee und ließ sein Aroma durch die Wohnung kriechen. Dieser wiederum fand nicht nur meine Nase, sondern auch die von Anna. Als ich dann die erste Tasse hinter mir hatte, kam sie mehr als verschlafen aus dem Schlafzimmer und äugte einmal kurz um die Ecke in die Küche.
    
    Innerlich musste ich lachen, so ...
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