1. Ich Wünschte...


    Datum: 03.01.2020, Kategorien: BDSM

    ... verlangender, brutaler Kuss. Ihre Arme würden mich umschließen, ihre Finger würden sich in meinen Rücken krallen und vom Stuhl reißen. Wir würden uns auf dem Boden wälzen, und ich würde mich ihrer Führung ergeben.
    
    Nichts davon geschah.
    
    Stattdessen stand sie hinter mir und schwieg.
    
    Hinter mir.
    
    Sah mich an.
    
    Das fühlte ich.
    
    Und dann sprach sie:
    
    „Wissen Sie, ich habe mir lange überlegt, wie ich das hier anfangen soll. Ich finde dieses SM-Zeugs irgendwie spannend. Ich habe viel danach gesucht. Im Internet und so. Ich sehe mir Bilder und Videos an und lese Geschichten. Sie auch?"
    
    Sie erwartete keine Antwort, und ich war froh, dass ich nicht antworten musste auf diese Frage. Ja. Ich hatte das auch getan. Erst in dieser Woche hatte ich damit begonnen, aber ja, ich hatte mich auch darüber informiert. Ein wenig nur, aber es hatte mich erschreckt, was es alles gab an Perversitäten, und es hatte mich erschreckt, dass ich in diese Welt eintauchen wollte. Dass ich solche Neigungen in mir entdeckt hatte.
    
    Ich hatte das mit einer Mischung aus Erregung und Abscheu zur Kenntnis genommen. Da waren diese Bilder, die mich erregten. Ich stellte mir vor in der Situation dieser Opfer zu sein, stellte mir vor, wie es sein musste, für jemand anders zu leiden und dadurch meine Zuneigung und meinen Gehorsam auszudrücken. Meine vollkommene Zuneigung und meinen bedingungslosen Gehorsam.
    
    Ich hatte mich aber auch schuldig gefühlt, denn was ich dort sah, waren teilweise ...
    ... kranke Dinge, und ich wollte nichts mit ihnen zu tun haben, sie mir nicht zu eigen machen. Ich wollte nicht in diese Welt gehören. Ich hatte mich angewidert davon abgewandt und hatte mich am nächsten Tag doch wieder vor dem Rechner gefunden und war auf die gleichen Seiten gesurft.
    
    „Wissen Sie, ich finde das alles so albern. Rollenspiel und Kerker und Auspeitschen. Das machen diese Goths auch so, aber ich finde, das ist Karneval und Kinderkram. Stehen Sie auf so was?"
    
    Nun erwartete sie eine Antwort.
    
    „Nein."
    
    „Gut, denn das werde ich auch nicht machen. Hier die Gutsherrin aus dem Mittelalter spielen mit dem Folterkeller und so. Ich bin nicht Ihre Herrin und Sie sind nicht meine Sklavin oder so. Es wird keine Verträge geben und keine idiotischen Anreden. Verstanden?"
    
     „Ja."
    
    Meine Stimme war belegt.
    
    „Ich kann mit diesem ganzen Domina-Kram nichts anfangen. Schreiende Frauen mit motzigen Gesichtern und Reitpeitschen und so. Das ist nicht mein Ding. Korsetts und Lackstiefel. Stehen Sie auf so was?"
    
    Ich schüttelte den Kopf, ohne die Antwort wirklich überlegt zu haben. Aber sie suggerierte das Nein in ihrer Frage. Dann war es auch mein Nein:
    
    „Nein."
    
    „Gut. Ich auch nicht. Wissen Sie, ich habe mir überlegt, wie ich das hier machen soll. Das erste Treffen und so. Ist ja schon wichtig. Der erste Eindruck. Ich dachte, ich lasse Sie vielleicht wie ein Hund über den Boden krabbeln und bellen. So als Zeichen der Erniedrigung oder als Test. Wie hätten Sie das ...
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