1. Ich Wünschte...


    Datum: 03.01.2020, Kategorien: BDSM

    ... dahin, als ich es erwartet hatte. Ich hätte korrigieren müssen, ich hätte eine Konferenz vorbereiten müssen, ich hätte mich ablenken müssen. Aber ich konnte mich auf nichts anderes konzentrieren. Also, was wunderte mich das?
    
    Es fühlte sich an wie ein erstes Date. Die Aufregung eines kleinen Teenagers. Die Hoffnung und Erwartungen. Die Sehnsucht und die Angst vor Enttäuschung. Die Angst etwas falsch zu machen.
    
    Um fünf vor acht Uhr ging ich nach unten, peinlich bemüht, die Zeit genau einzuhalten.
    
    Ich nahm einen Stuhl und stellte ihn vors Fenster und setzte mich darauf. Es war 19:57 Uhr. Die Zeiger der Uhr waren meine größten Feinde an diesem Tag gewesen.
    
    Gerade auf dem Stuhl sitzend wartete ich, beide Hände flach auf die Schenkel gelegt in einer diszipliniert wirkenden Haltung, die jedoch nichts als eine Farce war, denn es brannte in mir, dass jede Beherrschung mir abhanden gekommen war. Mein Körper mochte sich diszipliniert zeigen, in mir brannte das Chaos.
    
    Ungeduldig, mit pochendem Herzen saß ich dort.
    
    Um fünf nach Acht bemerkte ich, dass ich auf dem falschen Stuhl saß. Es war einer der harten Holzstühle, die ich nicht sonderlich mochte. Ich hatte ihn ohne groß nachzudenken ausgesucht und vor das Fenster geschoben. Es war noch nicht einmal der dem Fenster nächste gewesen. Ich hatte ihn aus der Küche geholt. Als ich das nun reflektierte, erschloss sich mir meine Wahl. Der Stuhl erinnerte mich in seiner Einfachheit an die Stühle, die man in Filmen in ...
    ... Verhörzimmern sah.
    
    Ich bekam ein unbehagliches Gefühl als ich erkannte, in welchen Bahnen sich meine Seele unbemerkt zu bewegen schien.
    
    Sollte ich den Stuhl wechseln? Mir einen bequemeren suchen? Da war der gepolsterte in der Ecke, nur ein paar Schritte entfernt. Wenn ich den Kopf drehte, konnte ich ihn sehen.
    
    Der Sessel wäre sicherlich unpassend gewesen, aber der Polsterstuhl wäre besser für meinen Po und meinen Rücken.
    
    Ich müsste sie nur austauschen. Einen Augenblick würde das nur in Anspruch nehmen. Mehr nicht.
    
    Und doch wagte ich es nicht. Mein Auftrag war ein anderer. Ich sollte dort sitzen bleiben, warten und vor allem gehorchen.
    
    Dies war das erste Treffen. Das durfte ich nicht mit einer Disziplinlosigkeit beginnen.
    
    Was, wenn sie mich am Fenster beobachtete?
    
    Was, wenn sie sich durch das Treppenhaus bereits in meine Wohnung geschlichen hätte?
    
    Was, wenn sie bereits hinter mir stand?
    
    Die Haare in meinem Nacken stellten sich auf und, ich spürte diese Wärme, wie von ihren Blicken erhitzt an meinem Hals.
    
    Ich musste mich dazu zwingen, mich zu entspannen.
    
    Mein Verstand spielte mit mir.
    
    Meine Paranoia tanzte.
    
    Liz spielte mit mir. Liz tanzte mit mir.
    
    Warum ließ sie mich so lange warten?
    
    Ich drehte mein Handgelenk etwas. 20:21 Uhr.
    
    Warum kam sie nicht? Hatte sie es sich anders überlegt? Hatte sie mich nur narren wollen?
    
    Warum kam sie nicht?
    
    Hatte sie der Mut verlassen?
    
    Den letzten Gedanken konnte ich nur harsch verneinen. Nein, der ...
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