1. Ich Wünschte...


    Datum: 03.01.2020, Kategorien: BDSM

    ... wieder. Es gab mir ein Gefühl der Kontrolle. Es war lächerlich, aber ich wollte irgendeine Form der Erkenntnis haben. Meine ganze Welt war im Begriff, zusammenzufallen. Was sollte ich machen?
    
    Ich glaube, was mich am meisten zu ihr zog, war eine Beiläufigkeit:
    
    Ich habe über sie nachgedacht.
    
    Ein harmloser Satz.
    
    Aber wer sonst tat das?
    
    Mir war klar, wie absurd das klang, mir war auch klar, wie aberwitzig meine Hoffnung in sie war.
    
    Aber meine Seele war auch ziemlich übel zugerichtet. Warum sollte Liz sie nicht heilen? Vielleicht hätte ich ihr auch etwas zu bieten. Irgendetwas, und wenn es nur Gehorsam wäre. Ich wusste nicht, was sie antrieb in all dem, aber ich wusste, was ich ihr schenken wollte.
    
    Die Woche verging in der schmerzhaften Träge, die man sich leicht vorstellen kann. Ich haderte, wägte das Für- und Wider solch einer amour fou ab und hatte mich doch eigentlich längst entschieden.
    
    Es war ein sehnsuchtsvolles Warten, schön und schrecklich zugleich. Ich war in dieser Woche recht unausstehlich. Leicht zu reizen, einfach aus der Fassung zu bringen, impulsiv, selbstgerecht. Ich merkte es selbst, konnte aber nichts dagegen tun.
    
    Liz ging mir in dieser Woche aus dem Weg. Zumindest erschien mir das so.
    
    Am Tag nach unserem Gespräch am Parkplatz fand ich eine Nachricht hinter dem Scheibenwischer meines Wagens.
    
    Ich las sie mit klopfendem Herzen, trug sie immer bei mir und legte sie abends auf meinen Nachttisch, um sie ein letztes Mal vor dem ...
    ... Einschlafen zu lesen und mit ihr einzuschlafen.
    
    Es ging ihr um Macht und Herrschaft, um das Gefühl, jemandem überlegen zu sein. Ihre Worte waren eindeutig, wenn sie auch vage blieb in der Frage, welche Mittel sie einzusetzen gedachte, um diese Macht zu demonstrieren. Es ging um sexuelle Überlegenheit natürlich. Aber wie würde die sich äußern?
    
    Mittlerweile hatte ich mir selbst ähnliche Gedanken gemacht, sodass der Informationsgehalt des kurzen Briefes mich nicht überraschte. Es war seine emotionale Bedeutung, die ihn mir so teuer machte.
    
    Sie glauben, dass Sie mir überlegen sind. Sie sind um die zehn Jahre älter als ich, schätze ich mal. Sie haben studiert und sind gebildet. Ich bin es nicht. In Ihren Augen bin ich ein kleines Mädchen, eine Schülerin wie alle anderen. Aber in den zehn Jahren, die Sie mir voraus haben, haben Sie bestimmt nur Gänseblümchen und Pusteblumen gepflückt und ich die Blumen des Bösen. Meine Welt ist düsterer als Ihre, und Sie haben mir nichts entgegenzusetzen.
    
    Gestehen Sie es sich ein und ergeben Sie sich mir!
    
    Zwölf
    
    Der entscheidende Abend war gekommen.
    
    Liz hatte mir am Tag zuvor wieder einen Zettel unter den Scheibenwischer geklemmt:
    
    Wenn Sie mein Angebot annehmen, erwarten Sie mich um 20:00 Uhr in ihrer Wohnung. Lehnen Sie die Haus- und Wohnungstür nur an und setzen Sie sich mit dem Gesicht zum Fenster in ihr Wohnzimmer und warten dort. Wenn irgendeine Tür geschlossen ist, dann nehme ich das als Absage.
    
    Der Tag kroch noch langsamer ...
«12...232425...147»