1. Ich Wünschte...


    Datum: 03.01.2020, Kategorien: BDSM

    ... mir. Aristoteles sprach in seiner Poetik des Dramas von der Katharsis als seelischer Reinigung. Man ging seiner Meinung nach ins Theater und hatte Freude an den grausamen Schicksalen, die den Helden widerfuhren, um sich so seelisch zu reinigen von eigenen Gelüsten nach Gewalt und Bosheit.
    
    So ähnlich fühlte ich mich in diesem Moment.
    
    Gereinigt.
    
    Es war schwer zu beschreiben.
    
    Ich verbrachte den restlichen Abend bei Kerzenschein mit Rotwein und einem Buch auf meiner Couch. Nach einer Weile hatte ich eine Position gefunden, die es mir erlaubte, mich einigermaßen bequem hinzulegen. Ich versuchte also zu lesen, aber immer wieder schweiften meine Gedanken zurück. Ich wusste, dass dieses einer dieser Tage war, die etwas bedeuteten, die man nicht wieder vergaß, die einen veränderten. Ich wusste noch nicht, in welcher Form ich verändert war, aber es gab keinen Zweifel, dass ich eine andere Frau war als noch am Morgen desselben Tages.
    
    Zweiunddreißig
    
    Ich war zwar ein wenig überrascht, als sie an meiner Haustür klingelte, aber natürlich freute ich mich. Was mich mehr überraschte, war, dass sie mich fragte, ob sie störe, ob sie herein kommen dürfe. Das war nicht ihre Art.
    
    Ich bat sie herein und muss gestehen, ein wenig misstrauisch gewesen zu sein. So kannte ich sie nicht. Doch was ich mittlerweile kennengelernt hatte, war ihre Unberechenbarkeit. Wollte sie mich testen? Ich blieb wachsam, und auch wenn ich mir nichts anmerken lassen wollte, so war ich doch ein wenig ...
    ... nervös, hatte ein unbestimmtes mulmiges Gefühl und wollte mich nicht überrumpeln lassen.
    
    Sie wartete, dass ich vorging, und ich führte sie in mein Wohnzimmer. Es war so, als wäre nichts zwischen uns, als wären wir distanzierte Bekannte ohne diese gemeinsamen Erfahrungen, ohne diese Intimitäten, die sich zwischen uns abgespielt hatten.
    
    Ich vermutete, dass sie auf unsere intensive Begegnung vor einigen Tagen eingehen wollte.
    
    Sie lächelte, schien guter Dinge und in einer netten Stimmung, und trotzdem traute ich dem Braten nicht.
    
    Ich fühlte mich fast ein wenig gekränkt, dass sie mir nicht die Rolle schenkte, in die ich so gerne geschlüpft wäre. Für den Bruchteil eines Augenblicks kam mir sogar der Gedanke, dass ihre Höflichkeit darin begründet war, dass sie mit mir Schluss machen wollte. Der Gedanke brachte alte Erinnerungen hervor, und ich musste unwillkürlich an Hans denken und wie er mich in dem Café abserviert hatte. War ich nun schon wieder so weit? War sie gekommen, mir zu erzählen, dass das zwischen uns nichts werden konnte? Dass ich ihr zu alt war, dass sie eine andere gefunden hatte? Dass sie gerne meine Freundin bleiben würde?
    
    Doch bevor ich mich in dieses Schreckensszenario hineinsteigern konnte, war der Augenblick vergangen. Wir standen in meinem Wohnzimmer, ich bot ihr einen Platz an und etwas zu trinken. Sie fragte nach einem Tee, ich musste überlegen, da ich Kaffeetrinkerin war. Ich antwortete ihr, dass ich glaube, noch einen Pfefferminztee irgendwo zu ...
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