1. Eigentlich wollte ich nur Zigarette


    Datum: 22.08.2019, Kategorien: Erotische Verbindungen

    ... Nacht. Gegen zehn erwachte ich. Der obligatorische schlaftrunkene Gang zur Kaffeemaschine, über die Toilette wieder zurück zur Kaffeemaschine. Erste, dann zweite und zuletzt dritte Tasse. Ich war wach, die Welt hatte mich wieder.
    
    Die Nachrichten im Radio schienen mir von einem anderen Planeten zu berichten. Alles war weit weg. Das Wetter ließ zu wünschen übrig. Graue Wolkenschleier verbargen die Sonne, trotzdem war es angenehm warm.
    
    Ich begann, mein Appartement zu reinigen, warf den Geschirrspüler und die Waschmaschine an, bezog mein Bett mit frischer Wäsche. Selbst meinen Staubsauger befreite ich aus einem Exil und begann quer durch die Wohnung zu sausen. Zuletzt brachte ich den Müllsack zum Container, schloss eine Einkaufsrunde fürs Wochenende an. Dann saß ich mit dem Gefühl, alles erledigt zu haben, wieder auf meinem Balkon.
    
    Ich beschloss, Charlotte im Laufe des Nachmittags einen Besuch abzustatten, wollte dies jedoch nicht zu früh tun. Der Gedanke an sie, ließ mich innerlich erbeben.
    
    'Dieses Weib', dachte ich, 'sie wirft mich derart aus meinen festgefahrenen Bahnen, stellt mich, mitsamt allem, was mir bisher heilig war, auf den Kopf.'
    
    Ich kann keinen Moment mehr sein, ohne dass sie vor meinem inneren Auge erscheint. Immer wieder laufen Begebenheiten wie Filme in mir ab.
    
    Von der Szene am Bahnhof, als ich ihr das erste Mal begegnete, bis zu unserem Abschied gestern Abend. Es ist, als ob sich meine ganze Vorstellungskraft nur noch um sie drehen ...
    ... könnte.
    
    Ihr liebevolles Lächeln wie auch das nachdenkliche, mit hängenden Mundwinkeln gezierte Gesicht, das sich immer dann bei ihr zeigte, wenn sie sich unbeobachtet fühlte, ließen mich nicht los. Ich hoffte still, dass sie mir meinen Entscheid gestern, alleine nach Hause zu gehen, nicht übel nehmen wird. Nur die Vorstellung versetzte mich in eine Panik, die mein Herz schneller schlagen ließ. Ich hatte anscheinend dieselben Ängste wie Charlotte. Konnte nicht glauben, dass all das, was sich so überraschend, zwischen uns entwickelt hatte, auch wirklich von Dauer sein würde.
    
    Wir konnten beide nicht so einfach über diese Befürchtungen reden, erst ein erhöhter Druck schien die Dämme zu brechen. Würde es möglich sein, sich gegenseitig akzeptieren? Wünsche, zu äußern, ohne den anderen in eine Richtung zu zwingen, in die er nicht wollte? Ich sollte vielleicht nicht so viele Gedanken daran verschwenden ob oder ob nicht. Und doch, mir kam ein Schwall von Wehmut und Trauer entgegen.
    
    Alle Enttäuschungen meines Lebens tauchten auf, stellten sich in einer langen Schlange an. Bilder, die ich längst vergessen hatte, erschienen. Ich bin plötzlich wieder zwei Jahre alt, liege in einem Bett mit Gitterstäben und sehe zu der großen Türe, warte, dass jemand kommt. Um mich herum lauter schreiende Babys. Sie alle warten wie ich.
    
    Ich bin krank habe hohes Fieber, habe Durst. Ich verglühe, wenn niemand kommt. Die übergroße Glastüre öffnet sich, aber nur eine Person mit weißer Kopfhaube betritt den ...
«12...105106107...255»