1. Die vergessene Buchung


    Datum: 31.12.2017, Kategorien: Romantisch

    Es sollte ein erholsamer Urlaub werden: 2 Wochen Jamaika in einem 4 Sterne-Hotel. Und tatsächlich hielt das Hotel alles das, was das Prospekt versprochen hatte: Erstklassiger Strand, geräumige Zimmer, tolles Essen und - für mich als Single besonders wichtig - zahlreiche Aktivitäten.
    
    Für eine solche Aktivität wollte ich mich gerade an der Rezeption eintragen, als ich neben mir unfreiwillig eine Diskussion mitbekam. Eine junge Dame (Mitte 20?) schien sich gegenüber der Rezeptionsdame in Rage zu reden. - Was soll das heißen? Kein Zimmer? Hier ist meine Reservierung! - Es tut mir leid, wir sind offenbar überbucht worden. Ich würde ihnen ja auch gern Ersatz anbieten. - Soll ich jetzt draußen zelten? Oder bei Einheimischen unterkommen? Jetzt war die Gute offenbar schon fast den Tränen nahe. Ich ging auf die beiden zu. - Das kann ich Ihnen beides nicht empfehlen. Ich habe auch schon bei den anderen Hotels nachgefragt. Dort ist leider auch nichts mehr frei. Und der nächste Flug geht morgen. Aber unsere Zimmer sind geräumig. Ich könnte ggf. eine Dame fragen, ob sie ihr Zimmer mit ihnen teilt. Sie blätterte in ihren Unterlagen und auf dem Gesicht ihr gegenüber tauchte so etwas wie Hoffnung auf. - Hm, Frau Klausen ginge vielleicht. Die ist aber bis heute abend auf einem Ausflug. Oder Frau Samirez, die spricht aber nur Spanisch... Der Funke Hoffnung verschwand wieder und die Tränen glänzten erneut in den Augen. Was nutzte die Reservierungsbestätigung, wenn faktisch nichts möglich ...
    ... war und der Gedanke an eine rechtliche Durchsetzung hier in Jamaika Utopie war? Sie tat mir unheimlich leid, so hilflos und verzweifelt. Noch dazu wirkte sie selbst in dieser Lage unheimlich anziehend auf mich. Also mischte ich mich ein: - Entschuldigung, gibt es hier ein Problem? Die Empfangsdame wollte mich abbügeln, doch ihre Gegenüber sprach - unter Tränen - gleich los. - Ja, gibt es. Sind sie sowas wie der Hotelmanager? Die Dame lässt mich trotz Buchung auf der Straße stehen. Ich versuchte, aufmunternd zu lächeln. - Nein, ich bin auch nur Gast hier. Aber ich habe gerade ihre Unterhaltung mitbekommen. Und da ich ein Doppel- als Einzelzimmer belege, habe ich mich gefragt, ob ich nicht helfen kann.
    
    - Entschuldigung, ich weiß, was sie jetzt wahrscheinlich denken und dass sie wahrscheinlich ziemlich durcheinander sind. Lassen Sie sich mit der Entscheidung ruhig Zeit. Ich gehe dort drüben jetzt einen Kaffee trinken. Wenn Sie sich entschieden haben, kommen Sie nach. Ach, und übrigens: In dem Zimmer gibt es auch ein Sofa... Ich zwinkerte ihr zu und ging zu dem Cafe gegenüber der Rezeption, wählte einen Tisch und beobachtete die Kleine im Spiegel. Was wollte ich eigentlich wirklich? Es war fast Automatismus, dass ich mich eingemischt habe. Diese Hilfsbereitschaft war fast schon krankhaft. Aber diese Frau... Hätte ich bei einer 70jährigen Hexe auch mein Zimmer angeboten? Zudem wollte ich die Urlaubsnächte auch nicht wirklich auf diesem unbequemen Sofa verbringen. Ich warf noch ...
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