1. Ich Wünschte...


    Datum: 03.01.2020, Kategorien: BDSM

    ... heraus.
    
    Ich stand unschlüssig davor. War Liz schon da oder ließ sie mich wieder warten? Sollte ich eintreten? Ich war von dem Gedanken nicht begeistert. Denn ich vermutete, dass der Urin-Gestank seinen Ursprung in der Hütte hatte. Der Ort war nicht sehr angemessen. Weder romantisch noch sonst wie passend. Es war der Ort, an dem sich verboten Liebende heimlich trafen. Ein Notbehelf, ohne Stil oder Aura. Vollkommen kontraproduktiv in seiner Atmosphäre.
    
    Liebe.
    
    Wieder so ein Wort, das nicht richtig klang.
    
    Der Treffpunkt der verboten Liebenden.
    
    Geheime Raucherecken hinter der Schule, Tiefgaragen, öffentliche Bedürfnisanstalten, Autobahnbrücken?
    
    Der beißende Geruch getrockneten Urins ein ständiger Begleiter? So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Vielleicht war das nur Ausdruck eines kulturellen Altersunterschieds. An solchen Orten verbrachten Jugendliche, die knapp bei Kasse waren und nicht im Einkaufszentrum lungern wollten, einen Teil ihrer Freizeit eben. Die trafen sich nicht in gestylten Kaffeehäusern, wählten zwischen Hundert Sorten Kaffee aus und surften auf ihren Laptops im W-Lan.
    
    Vielleicht war ich einfach zu alt für so etwas. War ich zu alt für sie?
    
    Dumme Fragen, die ich wegwischte.
    
    Ich war angekommen. Stand an dem Eingang, und aller Ärger, alle Rationalität, streifte ich ab. Was blieb, war das Herzklopfen und die Erwartung.
    
    Ein letztes Mal beschäftigte mich die Wahl des Ortes. An solch einem Ort zu solch einer Zeit stellte ich mir vor, ...
    ... dass sich nur Psychopathen dort aufhalten würden.
    
    Ich blieb vor dem Eingang stehen und versuchte irgendetwas zu erkennen oder zu hören. Es dauerte nur einige Augenblicke, aber ich war so auf meine Sinne konzentriert, dass ich furchtbar erschrak, als plötzlich das leise, aber unerwartete Ratschen des Feuerzeugs ertönte und ein gespenstiger Lichtstrahl auf Liz' Gesicht fiel, als sie ihre Zigarette anzündete.
    
    Das Licht des Feuerzeugs erlosch nach wenigen Sekunden wieder. Es reichte aber, dass ich sie erkennen konnte. Sie saß lässig auf einer Bank, hatte einen Arm über die Holzlehne ausgestreckt und ein Bein angezogen auf der Sitzfläche der Bank stehen.
    
    Wieder eine dieser überlegten Posen. War Liz so plakativ oder versuchte sie mir damit angestrengt eine Nachricht zu übermitteln?
    
    Was nach dem Erlöschen der Flamme blieb, war das Glühen der Zigarette, das einen Teil ihres Gesichtes schwach erleuchtete und in ein warmes, aber auch diabolisches Licht tauchte.
    
    „N'Abend", unterbrach sie die Stille.
    
    „Guten Abend."
    
    „Ich habe Sie von weitem kommen hören. Sie sind ganz schön durch das Gestrüpp getrampelt."
    
    Ich hatte schon angesetzt, mich zu rechtfertigen, hielt dann aber inne, und entschuldigte mich mit leiser Stimme.
    
    „Ist halt dunkel. Sie müssen sich nicht entschuldigen." Eine kurze Pause. „Auf der anderen Seite mag ich das. Sie haben Manieren. Es ist nicht ihre Schuld, trotzdem entschuldigen Sie sich. Das nennt man wohl devot. Ich lerne im Moment viel über all das ...
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