1. Ich Wünschte...


    Datum: 03.01.2020, Kategorien: BDSM

    ... hatte ich das Gefühl, als sähe sie mich an. Als würde sie meinen Blick suchen, meine Aufmerksamkeit oder was auch immer, den ich ihr ungeschickt verweigerte. Ich starrte starr auf den Boden oder suchte mir irgendeinen Punkt, um mich nicht zu verraten.
    
    Ich meinte, hinter meinem Rücken zu spüren, wie sie süffisant lächelte, als würde sie meine Unsicherheit auskosten und als würde alles nach einem Plan verlaufen, den nur sie kannte. Es war mir unangenehm, und ich spürte, wie das Blut schneller durch einen Körper pumpte, wenn wir solch eine Begegnung hatten.
    
    Einmal grüßte ich sie aus Versehen. Ich war in Gedanken irgendwo anders und sah auf, da kam sie mir entgegen, und ohne zu denken grüßte ich sie, wie man Kollegen grüßt oder eigene Schüler. Es war nur ein Kopfnicken und ein genuscheltes „Hallo". Wie man das halt so macht. Ich konnte nicht sagen, ob sie den Gruß erwiderte. Sie war wahrscheinlich zu überrascht. So wie ich überrascht über meine unbedachte Handlung war. Es war einfach automatisch gekommen. Immerhin hatte ich ihr mit dieser Geste zu verstehen gegeben, dass wir einander nicht fremd waren, auch wenn das vielleicht durch viele andere Gesten zuvor bereits klar war. Aber ich hatte es nun offiziell getan.
    
     Ich kam mir danach ziemlich blöd vor und ärgerte mich wieder über mich. Wieder so eine Situation, in der ich nicht souverän agiert hatte. Ich versuchte mir einzureden, dass ich nur das getan hatte, was ohnehin schon klar gewesen war und damit so ...
    ... gehandelt hatte, wie man das von jemandem erwartet in meiner Position. Aber das war nur ein schwaches Argument, und ich war selbst davon nicht überzeugt.
    
    Mehr beschäftigte mich nun die Frage, wie ich von da an mit ihr umgehen sollte, wenn sich unsere Wege kreuzten. Konnte ich wieder zum Ignorieren zurück? Sollte ich sie von nun an immer grüßen? Es war einfach ärgerlich. Ich kam zu dem Ergebnis, dass ich bei der nächsten Begegnung einfach ihren Blick suchen und ihr die Reaktion überlassen würde. Aber auch das war nicht besonders geschickt. Immerhin übergab ich ihr damit das Heft des Handelns, dabei wollte ich doch diejenige sein, die die Kontrolle behielt.
    
    Am nächsten Tag sah ich sie in einem Gang verschwinden, als ich aus dem Lehrerzimmer kam. Es war nicht wirklich ein Vorwand, der mich dazu brachte, ihr zu folgen. Seit Wochen schon wollte ich in den Abstellraum gehen, weil ich einen Satz Bücher suchte, die da sehr wohl sein konnten.
    
    Aber als ich in den Gang einbog, war sie schon irgendwohin verschwunden.
    
    Natürlich waren die Bücher nicht in dem Abstellraum. Später ärgerte ich mich über mein Verhalten, aber in diesem Augenblick drehte ich mich nur einige Male sinnlos im Kreis und verließ den staubigen Raum wieder.
    
    Als ich heraus kam, erschrak ich.
    
    „Verfolgen Sie mich?"
    
    Liz lehnte betont lässig an der Wand.
    
    „Was?"
    
    „Verfolgen. Wie so ein Stalker. Sie kennen das doch. Diese Leute, die anderen Leuten hinterher rennen, sie belauschen, Psychoterror ausüben. ...
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