1. DAS KOMMT VOR


    Datum: 01.12.2019, Kategorien: 1 auf 1,

    Reflexionen
    
    Jetzt war es so weit. Gerald Laim hielt den Brief des Gerichts, in dem seine Scheidung amtlich bestätigt wurde, in der Hand. Bis zu jenem Moment hatte er sich der Realität verweigert und hatte gehofft, dass sich Renate es noch überlegen würde.
    
    Wie schal schmeckte jetzt der Triumph den er gefühlt hatte, als sich Renate nach der Verhandlung von ihm verabschieden wollte und er ihr den Handschlag verweigert hatte. Natürlich hatte er ihre traurig blickenden Augen gesehen bevor er sich von ihr abwandte. Jetzt war es allerdings zu spät etwas zu ändern.
    
    Nie hatte er daran gedacht, dass sich Renate nach 20 Jahren Ehe von ihm scheiden lassen würde. Sie war gerade mal 18 gewesen als sie geheiratet hatten, eine fröhliche, attraktive, junge Frau. Bald nach ihrer Hochzeit wurde sie schwanger und gebar ihm Marie, seinen Augenstern. Während sie die ersten Jahre bei Marie zu Hause blieb, kümmerte er sich um den Aufbau seines Unternehmens.
    
    Als Marie schulpflichtig wurde, ging auch Renate wieder arbeiten, sie war ausgebildete Krankenschwester. Er schuftete wie besessen um seinen beiden Schätzen ein angenehmes Leben zu bieten und jetzt? Wieso war er so blind gewesen, dass ihm nicht die Anzeichen von Veränderung bei Renate aufgefallen waren? War es wirklich Blindheit gewesen oder doch Ignoranz, er wollte jetzt nicht darüber nachdenken.
    
    Jedenfalls als sie plötzlich begonnen hatte sich zu schminken, begonnen hatte überhaupt mehr Wert auf ihr Aussehen zu legen, da hatte ...
    ... er geschwiegen. Wie einfach es doch gewesen wäre ihr ein Kompliment zu machen. Als sie ihn bat mit ihr auszugehen hatte er sich hinter seiner Arbeit verschanzt. Selbst ihre plötzliche Wildheit im Bett nahm er fast als gegeben hin. Welch ein Idiot er doch gewesen war, wahrscheinlich war das ihr letztes Bemühen gewesen ihre Gefühle für den anderen zu unterdrücken.
    
    Selbst als sie begann ihre Dienstpläne so zu legen, dass sie mehrere Nachtdienste hintereinander schob, war ihm noch kein Verdacht gekommen. Einmal sahen sie sich sogar eine ganze Woche nicht, wenn er heim kam war sie schon weg und wenn er in die Firma ging, war Renate noch nicht zu Hause. Es kam ihm nicht einmal verdächtig vor, dass in der zweiten Woche ihrer seltsamen Terminplanung, kein weiteres schmutziges Geschirr im Spüler landete.
    
    Ungefähr 1 Monat nachdem sich bei Renate die ersten Veränderungen abgezeichnet hatten, war er zufällig früher nach Hause gekommen. Er sah, wie Renate über den Wohnzimmertisch gebeugt war und etwas schrieb. Zu genau dem Zeitpunkt als er Renate begrüßen wollte, sah er die beiden großen Trolleys im Zimmer stehen. " Du willst verreisen?", fragte er ungläubig. Renate sah auf, er erkannte diesen Gesichtsausdruck den sie immer dann aufsetzte, wenn etwas Unangenehmes zu erledigen war, und antwortete mit ruhiger Stimme: " Ja, aber für immer. Ich verlasse dich Gerald. Ich fühle mich noch zu jung um neben dir zu versauern und außerdem habe ich mich in einen anderen Mann verliebt."
    
    " Was ...
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