1. Eigentlich wollte ich nur Zigarette


    Datum: 22.08.2019, Kategorien: Erotische Verbindungen

    ... ging ich in den Salon, hob den Hörer ab und tat, wie sie es beschrieben hatte.
    
    Bequem lehnte ich mich in der halbrunden Couch zurück und begann, an meiner Tasse zu schlürfen. Nichts ist schöner am Morgen, als diese eklig bittere Brühe über den Tassenrand einzusaugen. Vielleicht war es überhaupt nicht das Koffein, das mich munter machte. Eher der Ekel vor dem ungesüßten Kaffee. Ich sah mich ein wenig um und stellte im Unterschied zu Susis Haus fest, dass hier nicht der Sammeltrieb, sondern die geschmackvolle Kombination verschiedener Einrichtungsgegenstände Pate gestanden hatte.
    
    Die Raumausstattung war nicht besser oder schlechter als die im Rosenweg, sie war einheitlicher, mehr auf einander abgestimmt. Neben der Sitzecke, in der ich mich niedergelassen hatte, schmückte ein offener Kamin in Tessiner Stil die Wand. Ein Kamingeschirr, ein Holzständer und ein kleiner Läufer vor dem Funkengitter alles war als kleine Einheiten kombiniert.
    
    An der Rückwand hin ein großes Gemälde in Öl, das mich spontan aufspringen ließ. Die abgebildete Frau glich Charlotte beinahe auf den Punkt genau. Sie war anmutig mit den selben rotbraunen Haaren und den markanten Gesichtszügen, die auch Charlotte aufwies. Sie schien auf dem Bild älter als Charlotte jetzt, dies verringerte ihre Ausstrahlung jedoch nicht. Ich sah mir die Person genau an, bewegte mich weiter weg und wieder mehr darauf zu.
    
    Woher kannte ich dieses Gesicht? Ich wusste genau, ich kannte es. Ich zog mich auf das Sofa zurück ...
    ... und starrte das Bild an, schloss die Augen und versuchte, eine Erinnerung zu finden, die mich darauf kommen lassen würde.
    
    Ich sah die Frau im Gästezimmer meiner Eltern. Ja, genau, ich entsinne mich. Diese Frau war ein oder zweimal bei uns zu Gast. Meine Eltern hatten im Sommer immer zwei Zimmer unseres Hauses als Ferienzimmer vermietet. Diese Frau war im Haus meiner Eltern. Sie war es, die mir als Kind jedes Mal, wenn sie in die Ferien kam, Schweizer Schokolade mitbrachte. Es waren rote Schachteln mit goldener Schrift. Öffnete man den Deckel, so war diese Schokolade wie in einer kleinen Schatztruhe in einzelnen Rippchen verpackt.
    
    Ich mag zehn oder elf Jahre alt gewesen sein, als ich diese Frau das letzte mal sah. 'Frau Keller', entfuhr es mir. Klar das war sie. Sie kam das erste Mal mit einer kleinen Tochter und einem kleinen Jungen, der die ganze Nacht brüllte, sodass niemand im Haus ein Auge zutun konnte. Wie aus einer Mottenkiste steigen mir Erinnerungen auf. Frau Keller war für mich, wenn sie ihre drei bis vierwöchigen Ferien bei uns verbrachte, eine Art guter Geist gewesen.
    
    Sie war geduldig, strickte immer Wollsocken und lernte allen Kindern die es wollten Rommé, ein Kartenspiel, zu spielen. Es muss so sein, sicher und Charlotte hieß die Tochter, das stand auch fest. Ich musste innerlich lachen. Wenn das stimmt, dann kenne ich Charlotte schon sei vielen Jahren.
    
    Sie trank damals gerne unsere Mini-Maggi Fläschchen im Kaufmannsladen leer, was mich immer staunen ...
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