1. Lara


    Datum: 02.01.2020, Kategorien: BDSM

    ... Niedergeschlagen, sodass der stumme Ernst in ihren traurigen Augen mich beunruhigte. Es lag ein Kalkül darin, etwas, das sich über die dummen Emotionen der Teenagerin erhoben und zu etwas neuem, weltloserem aufgeschwungen hatte; von dem ich verprellt spürte, dass es mir nicht gefallen sollte. Als hätte sich ihre
    
    Verletzlichkeit
    
    gewandelt in eine Stahlwand aus
    
    Verletzung
    
    .
    
    Ich bedachte ihr Grübeln mit einem gemurmelten Morgengruß und bereitete mir das unabdingliche Müsli zu.
    
    Irgendwann wurde es mir aber doch zu bunt, schließlich befand ich mich selbst nicht in bester Verfassung. »Waschn los, Lara?« fragte ich.
    
    Da wandte sie den Kopf zu mir, als nähme sie mich erst jetzt wahr (was nicht stimmte) und für einen Moment flog ein schon kindisches Grinsen über ihre Trauermiene, das aber irgendwie entsetzlich falsch aussah, so als hätte sie Augen und Mund vertauscht, wobei die Augen aufreißend die Zähne zeigten und der Mund sich nur verkniff. Es verlosch bevor ich mich wundern konnte.
    
    »Ich erinnere mich an alles.« proklamierte sie, bedeutsam, als verläse sie den ersten Satz eines Romans.
    
    Als ich dieses Postulat mit Schweigen missachtete, fügte sie, wieder sehr gesetzt, hinzu: »Du nicht?« Jetzt stierte sich mich an wie in einem adretten Kaffeeklatsch in einer höflichen Nachfrage eingefroren.
    
    Mein Körper schien sich an irgendetwas zu erinnern.
    
    »Also Gut.« Es war gruselig. Als würde sie sich selbst als Tape abspielen und anhalten, wann immer sie sich an ...
    ... mich richtete. Ihr Stimme war zart wie immer, aber mit Kälte.
    
    »Ich werde ohnehin eine Entscheidung treffen und es ist sicher besser, wenn du sie verstehst, als wenn Du sie nur zu spüren bekommst.« Jetzt starrte sie durch die Tischplatte hindurch und ich war mir sicher, dass sie vor dem inneren Auge die schmerzende Stelle just über meiner linken Hüfte fixierte.
    
    »Du bist verkatert.« stellte sie fest, nun wieder in leutseligem Plauderton, wie wenn sie sich gleichzeitig einen Löffel Müsli reinschob und über den Scherz eines Sitznachbarn schmunzelte. Ich selbst hatte angesichts dieser grausig sprunghaften Szene meinen Müslilöffel wieder vorsichtig zurückplatziert, sonst hätte ich mich an ihren folgenden kühlen Worten schwer verschluckt:
    
    »Ich habe dich betäubt.
    
    Geroofiet.
    
    « Und im Redeschwall, der sich wie eine kalte Hand um meinen Nacken legte, behielt sie diese gefühllose Starre bei, einzig ein paar Haspler verrieten das verhärmte Frauenzimmer dahinter.
    
    »Ich küsste Dich. Vielleicht erinnerst Du dich wenigstens daran noch.« (Ein fraulicher Vorwurf?) »Dann brachte ich dich in dein Bett. Fesseln musste ich dich nicht mehr, da du dich ja nicht mehr bewegt hast. Ich versuchte deine Augen zu öffnen, aber du hieltest sie verkrampft geschlossen. -- Ich habe mich trotzdem vor Dir ausgezogen,
    
    gestrippt
    
    habe ich.« Ein schwankender Blick hinunter auf ihren beuligen Pullover, als erwarte sie dort nichts als Stofffetzen. »Aber Du hast das gar nicht zur Kenntnis genommen. ...
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